Tag 1: Anreise, Aufstieg und der Ernstfall im Trockenen
Endlich geht es los! Pünktlich um 6 Uhr starteten wir in Aiterhofen am Treffpunkt. Das Ziel: Die traditionsreiche Franz-Senn-Hütte, unser Basislager für die kommenden Tage. Schon der Zustieg hatte es in sich – Nicht nur die schweren Rucksäcke, sondern auch einige schneearme Passagen, auf denen wir die Ski schultern mussten, machten den Aufstieg fordernd. Umso größer war die Freude über Kaffee und Kuchen auf der Hütte.
Danach folgte der Check-in in unsere luxuriösen 4 und 5 Bett Zimmer und nach einer kurzen Verschnaufpause hieß es: Keine Zeit verlieren! Unsere Ausbilder Peppi und Markus riefen zur ersten Praxiseinheit direkt hinter der Hütte. Auf dem Programm stand die „Lose Rolle“ / 3er-Seilschaft-Spaltenbergung. Was in der Theorie simpel klingt, erfordert in der Praxis volle Konzentration: Wie baue ich schnell einen sicheren Verankerungspunkt (T-Anker/Fixpunkt)? Wie koordiniere ich die Handgriffe, um einen „gestürzten“ Kameraden effizient aus der Spalte zu ziehen? Es war spannend mit welchen einfachen Mitteln man am Berg große Dinge gemeinsam erreichen kann. Der Abend klang bei einem hervorragenden Abendessen und der Tourenplanung für den nächsten Tag aus. Wir sind gespannt, wie sich die Bedingungen die Tage weiter oben am Gletscher präsentieren werden.
Tag 2: Schweiß, Stahl und Sonne am Berglasferner und Wildes Hinterbergl (3288m)
Der zweite Tag startete genau so, wie man es sich erträumt: Sonne pur und ein tiefblaues Panorama, das die Anstrengungen des Tages bereits erahnen ließ. Unser Ziel: Das Gelände rund um den Berglasferner, die Turmscharte – und als Gipfelziel das Wilde Hinterbergl.
Vormittag: Disziplin am Seil! Der Aufstieg in Richtung Gletscher stand ganz im Zeichen des Seilschaftstrainings. Jetzt galt es, die Theorie vom Vortag konsequent umzusetzen: den Abstand zum Vordermann präzise halten, die Seilspannung kontrollieren, aufmerksam gehen und jederzeit bereit sein, einen möglichen Spaltensturz unmittelbar zu sichern. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns nach oben – konzentriert, ruhig, im Takt der Seilschaft.
Oben angekommen genossen wir den sagenhaften Ausblick auf die umliegenden Berge, sogar das Söldener Skigebiet konnten wir erblicken. Nach der Rast folgte dann die Abfahrt – und dabei passierte es: Seilverlust. Ein kurzer Schreckmoment, doch dank der hervorragenden Kondition und dem schnellen Handeln von Ivan war das Problem rasch gelöst. In einem kräftigen Gegenanstieg holte er das Equipment zurück, und nach kurzer Zeit war unsere Seilschaft wieder vollständig ausgerüstet.
Nachmittag: Klettersteig Turmscharte – Skier und Steigeisen, eine mutige Kombination! Mit Steigeisen an den Füßen und den Skiern am Rucksack wagten wir uns in den kombinierten Steig. Die Sonne brannte, die Oberschenkel kochten regelrecht in der Winterbekleidung – doch die Motivation trieb uns unaufhaltsam weiter nach unten. Stück für Stück, Griff für Griff, bis wir endlich den Ausstieg erreichten. Wir waren alle sehr glücklich und stolz, als wir unten heil angekommen sind. Zurück auf der Hütte ließen wir den Tag ausklingen. Die Gesichter glühten – teils von der Märzsonne, teils vom Stolz auf das Erreichte. Ein perfekter Tourentag geht zu Ende.
Tag 3: Von der Vertikalen ins ewige Eis
Der dritte Tag begann wieder direkt vor der Hütte – diesmal mit einem besonderen Highlight: Eisklettern. Nach einem rund 20‑minütigen Zustieg erreichten wir den gefrorenen Wasserfall, der von der Hütte aus schon eindrucksvoll zu erkennen war. Ausgerüstet mit Steigeisen und zwei Eispickeln wagte sich jeder Teilnehmer an die etwa 15 Meter hohe Eiswand. Für viele war es das erste Mal im senkrechten Eis – ein Erlebnis, das Konzentration, saubere Technik und eine ordentliche Portion Überwindung verlangte.
Im Anschluss an die Kletterei vertieften wir die Sicherungstechnik im Eis. Wir übten das Setzen von Eisschrauben und bauten mithilfe unserer Prusikschlingen eine Eissanduhr, wobei sich zeigte, wie wichtig sauberes Arbeiten und ein gutes Gefühl für Material und Untergrund sind. Danach stiegen wir nochmals rund 150 Höhenmeter zu einer geeigneten Schneemulde auf, um die Mehrfachverschüttetensuche aufzufrischen. In kurzer Zeit sondierten und „retteten“ wir die versteckten Rucksäcke – eine Übung, die Konzentration, Teamwork und Tempo zugleich forderte.
Am Nachmittag stand die Selbstrettung auf dem Programm – ein zentraler Baustein jeder Hochtourenausbildung. Da wir keine natürliche Spalte zur Verfügung hatten, verwandelten wir kurzerhand die Feuertreppe der Hütte in unsere Übungs‑Gletscherspalte. Mit viel Geduld und sauberer Knotenarbeit bauten wir zunächst den Selbstflaschenzug mithilfe von Prusikknoten. Schritt für Schritt kam später noch die Garda‑Klemme hinzu, sodass jeder Teilnehmer verschiedene Varianten der Selbstrettung ausprobieren konnte. Am Ende gelang es allen, sich erfolgreich aus der „Spalte“ herauszuziehen.
Tag 4: Ein Traumtag im Tiefschnee
Der vierte und letzte Kurstag begann mit einem echten Geschenk: Ein Blick aus dem Fenster genügte, und die Stimmung hob sich sofort. 55 Zentimeter frischer Neuschnee lagen vor der Hütte – mehr als doppelt so viel wie die am Vortag prognostizierten 20 cm. Die Überraschung war groß, die Vorfreude noch größer. Nach dem etwas mühsamen Packen und Räumen der Zimmer machten wir uns auf zur letzten Tour unseres Ausbildungskurses.
Unser Ziel: der Sommerwandferner, genauer die obere Ecke der inneren Sommerwand. Der Aufstieg verlangte uns auf den rund 1000 Höhenmetern alles ab. Doch wir hatten Glück: Ein ambitionierter österreichischer Bergführer hatte für seine amerikanische Gruppe bereits eine perfekt angelegte Spur durch den tiefen Powder gelegt. So konnten wir kraftsparend Schritt für Schritt höher steigen und gleichzeitig die märchenhafte Winterkulisse genießen. Die Bedingungen waren schlicht traumhaft: windstill und auf unseren Jacken glitzerten die sechseckigen Schneekristalle wie kleine Kunstwerke. Spätestens hier war jedem klar, dass diese Abfahrt etwas Besonderes werden würde.
Oben angekommen gönnten wir uns eine kurze Pause, bevor es endlich hieß: Abfahrt! Der erste Schwung bestätigte sofort, was wir die ganze Zeit geahnt hatten – es würde ein unvergessliches Erlebnis werden. Auch wenn die Sicht phasenweise schwierig war und das Gelände teilweise nur schwer zu lesen war, hatten wir alle ein breites Grinsen im Gesicht. Einige nutzten die Gelegenheit, einmal – oder auch gleich zweimal 😆 – im fluffigen Powder zu „baden“, und selbst das gehörte an diesem Tag einfach dazu. Die Freude, das Lachen und die unglaublichen Schneemassen machten jede kleine Unsicherheit wett.
Auf den letzten Höhenmetern spielten wir scherzhaft noch eine Runde „Findet den Stein“, bis wir schließlich wieder zur Hütte zurückkamen. Dort gönnten wir uns eine letzte Pause, bevor die Talfahrt bevorstand. Ein würdiger Abschluss eines Hochtourenkurses, der uns vier Tage lang alles bot: Technik, Teamgeist, Herausforderung – und am letzten Tag pure Skitouren‑Magie.
Redaktion: Marion, Christian, Wera & Andrea