Der erste Abschnitt führte uns auf einem eher unspektakulären und für die Kinder wenig spannenden Weg hinauf zur Schärtenalm. Danach wurde es deutlich interessanter: Über einen schönen Steig ging es weiter auf dem auch aus der Bergwachtserie „In höchster Not“ bekannten Weg in Richtung Blaueishütte. Oben angekommen, warteten bereits riesige Portionen Kaiserschmarrn auf uns – eine äußerst willkommene Belohnung für den Aufstieg.
Die Hütte liegt in einer beeindruckenden Bergwelt. Der Blick auf den Hochkalter, die Schärtenspitze und den Steinberg ist schlichtweg gigantisch. Besonders angetan waren die Kinder vom wunderschönen Blockgelände rund um die Hütte. Zwischen den Felsen entdeckten sie zahlreiche Höhlen und perfekte Stellen zum Bouldern. Einige kamen aus diesem natürlichen Abenteuerspielplatz kaum mehr heraus. Der Autor dieser Zeilen wollte sich den Kletterkünsten der Kinder anschließen und versuchte, in Hawaiianers nachzuklettern. Das endete mit einem schmerzhaften Abrutschen über den schroffen Kalk. Die nüchterne Diagnose lautete: selbst schuld!
Eine besondere Herausforderung stellte die aktuelle Wassersituation an der Blaueishütte dar. Wegen der sehr warmen Witterung ist die Quelle versiegt, weshalb derzeit kein Verbrauchswasser zur Verfügung steht. Hände waschen ist nicht möglich, und auch das Wasser zum Zähneputzen muss man sich selbst kaufen. Die Situation macht eindrücklich deutlich, wie unmittelbar sich die Folgen des Klimawandels inzwischen auch im Bergsport bemerkbar machen.
Am Nachmittag teilte sich die Gruppe je nach Interessen auf. Ein Teil machte sich auf den Weg in Richtung Gletscher. Von diesem ist leider nur noch ein kümmerlicher Rest übrig – ein bedrückender Anblick angesichts des ehemals imposanten Gletschers. Andere planten den Aufstieg über den Klettersteig zur Schärtenspitze. Ein aufziehendes Gewitter bremste dieses Vorhaben jedoch recht früh aus. Glücklicherweise zog die Gewitterfront wieder vorbei, sodass am späten Nachmittag noch ein bisschen leichtes Alpinklettern möglich war.
Das Gewitter kam allerdings später mit voller Wucht zurück – gegen 21 Uhr. Zum Glück nicht schon früher, dachten sich die meisten, als der Wind alles in Bewegung setzte, was nicht in Sicherheit gebracht worden war. Nach einem sehr leckeren Abendessen entwickelten sich noch unterhaltsame Gespräche über die heutige Jugend und die Frage, ob sie tatsächlich weniger unterwegs ist, als ihre Eltern es in ihrem Alter waren. Der Abend endete schließlich viel zu früh – die Nacht ebenfalls. Einige Kinder waren bereits gegen sechs Uhr morgens wieder putzmunter und verhinderten den dem Autor versprochenen Schlaf bis 7.30 Uhr.
Nach dem Frühstück mit tollem Blick auf die umliegenden Berge stand am Montag der Steinberg auf dem Programm. Der Aufstieg war anspruchsvoll und enthielt einige leichtere Kletterpassagen. Alle Kinder meisterten diese Herausforderungen bravourös und zeigten dabei viel Mut, Geschick und Ausdauer.
Der Abstieg führte über einen nicht mehr gepflegten Weg zurück zur Schärtenalm. Sobald die Gruppe in den Wald eintrat, machte sich die Nässe des Vortags bemerkbar. Der Weg war rutschig, und fast jeder kam mindestens einmal ins Schlingern. Auch der Autor testete unfreiwillig die Widerstandsfähigkeit der Bäume – mit durchaus überzeugendem Körpereinsatz.
An der Schärtenalm wurden die Bergsteiger von sehr netten Wirtsleuten empfangen. Nach einer kurzen Einkehr ging es bei inzwischen großer Hitze weiter hinunter zum Auto. Ein Teil der Gruppe ließ die gelungene Tour anschließend noch beim Schwimmen und einem Abendessen am Fridolfinger See ausklingen.
Alles in allem war es eine abwechslungsreiche, erlebnisreiche und rundum gelungene Aktion der Familiengruppe – mit großartigen Bergen, spannenden Wegen, viel Gemeinschaft, kleinen Blessuren und zahlreichen Geschichten, die noch lange für Gesprächsstoff sorgen werden. Ein besonderer Dank gilt den Raiths für die perfekte Planung und Durchführung der zweitägigen Bergtour.
Text: Andreas Vogl
Bilder: Uli Seibold, Christian Baumgartner, Michael Raith, Birgit Raith